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19.08.10 14:44
Landwirtschaftsminister zu Besuch

Tourismus wichtiger Erwerbszweig

Von: Reiner Frenz, swp

Region. "Tourismus hat in Baden-Württemberg Konjunktur. Dabei hat sich das Angebot ,Urlaub auf dem Bauernhof sehr gut am touristischen Markt etabliert", so Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle in Münzdorf.

Minister Rudolf Köberle (links) und Kreisbauernverbandsvorsitzender Gebhard Aierstock (rechts) ließen sich von Traudl und Karl-Josef Brunner in Münzdorf das Radwanderhäusle zeigen, das in den Sommermonaten zu fast hundert Prozent ausgelastet ist. Foto: Reiner Frenz

Hohen Besuch konnten Traudl und Karl-Josef Brunner dieser Tage in Münzdorf begrüßen. Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle ließ sich den Hof zeigen, wobei sein hauptsächliches Interesse dem Aspekt "Urlaub auf dem Bauernhof" galt. Traudl Brunner, Vorsitzende des Ferienrings Schwäbische Alb, berichtete, dass der Hof in der dritten Generation bewirtschaftet wird. Vor einigen Jahren habe man die Milchviehhaltung aufgegeben und konzentriere sich seither auf die Schweinehaltung.

Seit 15 Jahren werde zudem "Urlaub auf dem Bauernhof" angeboten. Mittlerweile stehen 30 Betten zur Verfügung, darunter 16 in der "XXL-Ferienwohnung" im Hayinger Löwen.

Erwähnenswert ist aber auch das Radwanderhäusle auf dem Brunner-Hof, eine Idee Traudl Brunners, die vor sieben Jahren realisiert wurde. Es richtet sich an Kurzurlauber, die hier Betten und Dusche finden, sich selbst versorgen können. Die pfiffige Idee fand mittlerweile einige Nachahmer und mittlerweile sind sieben solcher Häusle in der Region zu finden und mit durchschnittlich 125 Belegtagen je Häusle von Mai bis Oktober hat sichs zur Erfolgsgeschichte entwickelt.

Der Ferienring Schwäbische Alb wurde 1972 gegründet. Es werden aber immer weniger aktive Höfe, wusste Traudl Brunner zu berichten. Waren es vor knapp 40 Jahren noch 66, so sind es heute noch 25. "Die anderen Anbieter haben Streicheltiere", so die Vorsitzende.

Der Ländliche Raum sei beileibe kein unterentwickeltes Gebiet, sondern biete unglaublich viel Potential, erklärte Rudolf Köberle. Auch er erkannte, dass sich hier vieles ändere, weil sich die Landwirtschaft ändere. Das könne man ganz konkret in Münzdorf sehen, wo es nur noch vier Vollerwerbslandwirte gebe. Ein für die Landwirtschaft interessantes Feld sei der Tourismus. Die Hälfte der 16 Millionen Urlauber, die jährlich nach Baden-Württemberg reisen, würden sich für Übernachtungen im Ländlichen Raum entscheiden, viele davon für Bauernhöfe. Köberle: "Urlaub auf dem Bauernhof kann man sich inzwischen gar nicht mehr wegdenken".

Die Landwirtschaft muss nach Ergänzungsmöglichkeiten suchen und hier seien Direktvermarktung und Ferien wichtige Erwerbsquellen geworden. Die Urlaubsangebote würden in den Betrieben zwischen 25 und 50 Prozent der Einnahmen erbringen, sagte Köberle.

Constanze Bröhmer, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof sprach von 520 Mitgliedsbetrieben: "Der Landurlaub nimmt einen immer größeren Stellenwert ein". Erfreulich: Die Krise verschonte die Bauernhöfe. Man profitiere vom Trend der kürzeren Anreisen, der spontaneren Entscheidungen, wusste Bröhmer, die darauf verwies, dass die Landesarbeitsgemeinschaft großen Wert auf Qualitätssicherung lege. Köberle fügte hinzu: "87 Prozent der Mitgliedsbetriebe sind mit ihren Ferienwohnungen mit drei oder vier Sternen eingestuft".

Neben dem touristischen Angebot spiele auch die Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen eine zunehmende Rolle, so der Minister. Der Verbraucher könne heute bei sehr vielen bäuerlichen Betrieben auf eine breite Produktpalette zurückgreifen. Das Angebot reiche von Frischmilch und Eiern über Kartoffeln, Fleisch und Obst bis hin zu Käse und Edelbränden. "Beim direkten Kontakt zwischen Erzeuger und Verbraucher wird der Wert von hochwertigen Lebensmitteln aus heimischer Erzeugung erleb- und spürbar", sagte Köberle.

Da der Gewinn der Direktvermarktung dem Landwirt direkt zugutekomme, könne der Verbraucher durch den Erwerb dieser Produkte Einfluss auf die Gestaltung der ihn umgebenden Kulturlandschaft nehmen. "Der Erhalt und die Pflege unserer Natur hängt im Wesentlichen von der Arbeit der Bäuerinnen und Bauern ab, die diese Fläche bewirtschaften. Die Landwirtschaft kann diesen Auftrag nur übernehmen, wenn sich dies auch finanziell rechnet", erklärte der Minister.

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