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12.08.11 13:59
Grabungen im Hohle Fels

Sediment mit Harpune

Von: Thomas Spanhel

Vergleichweise jung sind die Fundstücke, die ein internationales Forscherteam der Uni Tübingen jetzt im Hohlen Fels bei Schelklingen ausgegraben hat. Durchsucht wurde die Magdalénien-Schicht - 13 000 Jahre alt.

Zentimeterweise kratzen sich die jungen Archäologen durchs Magdalénien. In den vergangenen Wochen haben 13 Forscher im Hohle Fels bei Schelklingen etwa 13 000 Jahre alte Schichten durchsucht. (Foto: Thomas Spanhel)

Ganz so spektakuläre Funde wie die etwa 40 000 Jahre alte Venus-Figur waren diesmal nicht zu erwarten. Schließlich ist während der jetzt zu Ende gegangenen Grabungskampagne eine viel jüngere, gerade mal 13 000 Jahre alte Ablagerungsschicht durchsucht worden, sagt Maria Malina, Grabungstechnikerin der Universität Tübingen. Unter ihrer Leitung haben zwölf junge Forscher in den vergangenen sieben Wochen im Hohle Fels bei Schelklingen nach Urzeitlichem gesucht.

"Grundsätzlich geht es weniger um Schatzsucherei, als darum, ein besseres Bild des Magdalénien zu erhalten", sagt die Forscherin der Uni Tübingen. Immerhin wurde aus dieser Epoche (etwa 18 000 bis 11 000 vor Christus) im Hohlen Fels schon ein besonderes Kalksteinfragment mit Punktbemalung gefunden, das 1999 für Aufsehen unter Urgeschichtlern sorgte.

Die Grabungsschicht befindet sich etwa 90 Zentimeter unter dem heutigen Boden. Wie schon bei früheren Grabungen sind die Forscher erneut auf Rinnen in den Erdschichten gestoßen. Diese könnten Aufschluss darüber geben, warum in der Höhle bislang keine Hinweise auf menschliche Nutzung in den Jahren zwischen 26 000 und 13 000 vor unserer Zeit gefunden wurden. "Neuere Überlegungen besagen, dass Sedimente aus dieser langen Zwischenzeit abgetragen worden sind - etwa durch viel Wasser, das durch die Höhle floss", erklärt Maria Malina. Denn vor etwa 15 000 Jahren begannen die großen Eisschilde der letzten Eiszeit abzuschmelzen, die Park-Tundra mit ihren großen Pflanzenfressern wie Mammut und Wollnashorn verschwand allmählich nach Norden, lichte Wälder entstanden. Bei mikroskopischen Untersuchungen von Querschnitten der Ablagerungsschichten des Magdalénien können die Wissenschaftler erkennen, was woher angeschwemmt wurde: "Wenn kleine Steinchen vom Wasser an eine Stelle transportiert wurden, sind sie nicht so scharfkantig wie andere, die sich schon länger an Ort und Stelle befinden", erläutert Grabungstechnikerin Malina.

"Eigentlich gräbt man hier weniger, als dass man Schicht um Schicht freikratzt", erzählt der 26-jährige Julian Bega, der gerade das zweite Ausbildungsjahr als Archäotechniker absolviert. Er war auch schon an Grabungen in Saudi-Arabien und Schöningen - bei dem Ort in Niedersachsen waren mehr als 400 000 Jahre alte Jagdspeere gefunden worden - beteiligt. Im Hohle Fels bearbeiteten Bega und die anderen Ausgräber jeweils eine ein Quadratmeter große Fläche und trugen von Mal zu Mal eine drei Zentimeter dicke Sedimentschicht ab.

"Es ist schon eine tolle Geschichte, wenn man einen Stein in so einer Grabungsschicht abnimmt und dann liegt darunter eine vollständig erhaltene Harpune", schwärmt Bega von einem Fund, den der Zufall ihm beschert hat. Die Lage solch großer Fundstücke wird mit einem Tachymeter genau vermessen, um daraus möglicherweise Schlussfolgerungen zu ziehen. Digitale Geräte erleichtern die archäologische Arbeit enorm, die Messungen sind viel genauer als früher. Als der 1997 verstorbene Tübinger Prähistoriker Joachim Hahn im Jahr 1977 mit seinen Grabungen bei Schelklingen begonnen hatte, wurden die Grabungsquadrate noch mit Hilfe von quer durch die Höhle gespannten Drähten markiert.

Lars Anderson aus den USA, an der University of Michigan eingeschrieben, arbeitet an seiner Promotion und interessiert sich vor allem für Steinwerkzeuge aus dem Magdalénien - wie sie hergestellt wurden, was sie über den Entwicklungsstand der Menschen aussagen, die vor etwa 13 000 Jahren im Achtal lebten. Die waren zum Beispiel so geschickt, um mehrere kleine, scharfkantige Steinstücke in einen Holzschaft einzupassen - fertig war das Messer.

Laura Falceri, eine Doktorandin, deren Spezialität Feuerstein-Werkzeuge aus Norditalien sind, hat beim Auswaschen von Sediment, dem so genannten Schlämmen, eine große Nadel mit Öhr gefunden. Die wurde einst aus dem Mittelfußknochen eines Rentiers gefertigt. Auch Tierzähne, kleine Schmuckstücke und Fischwirbel hat sie ausgeschwämmt. Das heißt, unserer Vorfahren müssen vor rund 13 000 Jahren am Hohle Fels oberhalb der Ach Fisch gegrillt haben.

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