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28.02.10 11:23
"Alb-Leisa" erhält Fördermittel für Linsen-Reinigungsanlage

Linsen von der Schwäbischen Alb - dank Reinigungsanlage 99,99 % Reinheit

Von: Andreas Hacker, Ehinger Tagblatt

Die Verarbeitung von Linsen ist ein aufwendiges Verfahren. Lutz Mammel zeigt, wie in so genannten Trieuren die Linsen vom Getreide getrennt werden. Die hohe Reinheit des verpackten Produkts garantiert dann der Gewichtsausleser, der mit Hilfe von Luft und Rüttelbewegungen die Linsen sortiert und Steinchen und leichtere Körner ausscheidet. Foto: Andreas Hacker

Lauterach. Sie ist eher laut, eckig und mit 25 000 Euro Kosten nicht gerade billig. Doch für die neue Reinigungsmaschine, die die Öko-Erzeugergemeinschaft "Alb-Leisa" jetzt mit finanzieller Unterstützung des Regionalentwicklungsprogramms Plenum angeschafft hat, gelten andere Maßstäbe. Sie ist, wie Woldemar Mammel gestern bei der Vorstellung auf seinem Hof in Lauterach sagte, schlicht "ein Traum". Der so genannte Gewichtsausleser erspart den inzwischen 30 Erzeugern, die ihre Linsen von Mammels Biolandhof oberhalb Lauterachs aus vermarkten, die bisher notwendige Fahrt zur Reinigung in die 40 Kilometer entfernte Mühle bei Illerkirchberg. Statt aufwendigem Transport und 80 Kilometer mit dem Traktor auf der B 311 können Woldemar und Lutz Mammel jetzt reinigen, wie es in den Betriebsablauf passt - der Zuschuss aus dem Fördertopf des Biosphärengebiets Schwäbische Alb macht es möglich. "Ohne dieses Geld hätten wir uns die Maschine nicht leisten können", sagte Woldemar Mammel zu der Investition von insgesamt 40 000 Euro, die von Plenum mit rund 14 000 Euro unterstützt worden ist.

"Das Projekt passt in unser Regionalentwicklungskonzept", begründete Melanie Amrhein vom Plenum-Team Schwäbische Alb die Förderung. Die Agraringenieurin ist zuständig für Landwirtschaft und Vermarktung und betont die Bedeutung der Anlage: Der wiedererwachte Linsenanbau auf der Alb kann sich ausdehnen, der Absatz ist gesichert, was bisher fehlte, war die effektive Reinigung von Unkrautsamen, Getreidekörnern und kleinen Steinen. Die sind, wie Mammel gestern zeigte, nicht zu vermeiden, denn Linsen werden in Lauterach, Frankenhofen, Schwörzkirch oder Hausen ob Urspring zusammen mit "Stützgetreide" angebaut, meist Gerste oder Hafer, die den schwachen Linsenpflanzen als Rankhilfe dienen und dann gemeinsam mit dem Mähdrescher geerntet werden. "Ein Linsenacker sieht aus wie ein Getreidefeld mit ein bisschen Unkraut drin", beschreibt Woldemar Mammel den Anbau. Die Nachbearbeitung ist aufwendig, weil das gedroschene Gemenge sehr feucht ist und unbedingt getrocknet werden muss - in mehreren Durchgängen und bei niederer Temperatur von maximal 40 Grad, um die Keimfähigkeit zu erhalten und die Linsen zu schonen.

Dann werden zunächst Hülsenreste, Spelz und Staub abgesaugt und grobe Verunreinigungen wie Erdklümpchen und Ährenstücke ausgesiebt. In liegenden, rotierenden Trommeln werden Linsen und Getreide getrennt, ehe der Gewichtsausleser als "Königin der Reinigungsmaschinen" die Linsen nach spezifischem Gewicht sortiert und Steinchen, leichtere Körner und Verunreinigungen ausscheidet. Ganz ausschließen kann Lutz Mammel nicht, dass vielleicht doch etwas zurückbleibt, deshalb wird auf der Packung Durchsicht vor der Zubereitung empfohlen, aber eine Reinheit von 99,99 Prozent verspricht er schon.

Dass die Erfolgsgeschichte der Linsen von der Alb weitergeht, zeigt sich gleich mehrfach: Die Zahl der Erzeuger ist von 20 Betrieben 2008 auf jetzt 30 gestiegen. Und die Nachfrage ist derart hoch, dass es den Landwirten der "Alb-Leisa"-Gemeinschaft so geht wie Liebherr in Ehingen mit seinen Autokranen: Sie müssen ihre Produkte zuteilen. "Wir wollen ganz streng nur regional vermarkten", sagte Woldemar Mammel gestern. Das heißt zunächst die Alb und das Unterland, und dann vielleicht noch Baden-Württemberg mit Bayerisch Schwaben. Den Edelversender Manufaktum beliefern sie nicht mehr, weil sie gar nicht so viel Linsen haben, wie sie verkaufen könnten, seit ihr Produkt in Slow-Food-Kreisen als Nonplusultra gilt.

Info
"Alblinsen" sind Linsen, die auf der Schwäbischen Alb gewachsen sind. Angestrebt wird, sie als geschützte Ursprungsbezeichnung gemäß EU-Verordnung eintragen zu lassen. "Alb-Leisa" ist ein eingetragener Markenname der gleichnamigen Öko-Erzeugergemeinschaft mit Sitz in Lauterach, der nur biologisch wirtschaftende Betriebe (Bioland, Naturland oder Demeter) der Schwäbischen Alb angehören.

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