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03.11.11 09:55
Trüffel in Münsingen gefunden

Ein "schwarzer Diamant" in einem schwäbischen Garten

Von: Gudrun Grossmann

Es war ein Job wie jeder andere. Dirk Pappelau schneidet Gehölze in einem Münsinger Garten. Als er mit dem Rechen das Laub unter einer Birke hervorholen will, fällt ihm die Spitze einer dunklen Kugel auf. Könnte Dreck sein, denkt er. Und untersucht das Objekt. Das geschulte Auge erkennt sofort die Kostbarkeit. Diese gleichmäßige Oberfläche, die Marmorierung, der unvergleichliche starke Duft. Ein Trüffel-Fund. Er wirft seinem Mitarbeiter die schwarze Kugel zu, der es zunächst gar nicht glauben kann, was er in den Händen hält - einen schwarzen Diamanten, der vielleicht gar nicht so selten auf der Alb ist, aber so gut wie nie in Erscheinung tritt.

Trüffel aus Münsingen: Unscheinbar und doch ein Goldstück. Fotos: Gudrun Grossmann

Den Grund kennt Wulf Plätz aus Buttenhausen. "Es ist extrem schwer, Trüffel zu erkennen, da sie unterirdisch wachsen. Meistens sind Mäuse und Wildschweine schneller." Das Wort von den "Perlen vor den Säuen" hat also mehr als sprichwörtliche Bedeutung, wenn der Experte von dieser Verschwendung in der Natur spricht.

Er habe es ja immer schon geahnt, sagt er. Die kargen Böden der Alb, der Kalkgehalt und ein Ph-Wert zwischen 7,2 und 8,4 bieten gute Voraussetzungen für das Gedeihen der seltenen Edelpilze, die normalerweise in Frankreich und Italien geerntet werden. Und zwei französische Forscher seien es auch gewesen, die bereits vor 25 Jahren Albtrüffel auf der Münsinger Alb entdeckt, dies aber nicht an die große Glocke gehängt haben.

Wulf Plätz hat Forsttechnik und Informatik studiert und hat sich mit einer Werkstatt für Spielgeräte selbständig gemacht. Sein Traum aber ist eine Trüffelzucht. Durch den aktuellen Fund ("nach meinem ersten vor zwei Jahren ist es der zweithöchste in Europa") ist dies wieder in greifbare Nähe gerückt. "Es ist genau das richtige Genom." Die richtige Zutat für die Mhycorriza, die Symbiose von Baum und Pilz. Dem Buttenhausener gehen solche Fachausdrücke leicht über die Lippen. Er hat sich in diese Wissenschaft vertieft und traut sich einen professionellen Anbau und die entsprechende Vermarktung zu. Auch hat er ein Labor im Ausland gefunden, das nach einem Vierteljahrhundert intensiver Forschung, die Trüffel quasi entschlüsseln und Bäume "beimpfen" kann. Einige Exemplare hat er schon vorrätig, "im Frühjahr will ich sie anpflanzen". Wo, das wird ein streng gehütetes Geheimnis bleiben. Hanglage ist gut, halbschattig und schön feucht sollte es sein.

Bevor das "schwarze Gold" gedeiht, vergehen Jahre. Im Saarland laufen ähnliche Versuche, aber auch dort könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden, ob die Zucht gelingt oder nicht.

Dass der prächtige Fund mit seinen 38 Gramm eine wichtige Säule in seinem Unternehmen werden kann, daran gebe es keine Zweifel. Das Genom könne "sehr gut eingemischt" werden und beweise seine These, dass diese Sorte auf der Alb eine Zukunft habe.

Der Wert lässt sich schwer taxieren, auch über die Kosten der aufwendigen Prozedur will Wulf Plätz lieber nichts sagen, nur abschätzen, was im Endeffekt herauskommen kann: "Gourmets bezahlen für Sommertrüffel 800 bis 1200 Euro pro Kilo." Es gebe auch Sorten, die bringen locker 12 000 Euro ein - pro Kilo.

Es ist weniger das Geld, das Wulf Plätz lockt. Es ist eine Leidenschaft. Und Dirk Pappelau hat er damit schon angesteckt. Sie können sich eine "ideelle und geschäftliche Symbiose" vorstellen. "Wer weiß", sagt der Mehrstetter Garten- und Landschaftsbauer, der sich in seiner Freizeit mit der Imkerei beschäftigt und sich schon einen Kundenkreis aufgebaut hat, "vielleicht stelle ich eines Tages Trüffelhonig her". Das "schwarze Gold" würde die Produktpalette des Biosphärengebiets ungemein bereichern. Glänzen tut es jedenfalls schon...

Bevor das gute Stück den Weg ins Labor antritt, war eine Kostprobe fällig. "Es schmeckt nussig", sagt Dirk Pappelau, "richtig lecker". Die Fundstelle wird jetzt nochmals genau untersucht. Wenn der Boden noch mehr hergibt, werden sie sich die Ernte teilen.

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