Teilen |
11.02.11 00:28
Zwergzebus auf der Schwäbischen Alb

Ein Rind, das nach Wild schmeckt

Von: Regine Lotterer, swp

Zainingen. Zwergzebus sind gemeinhin in Südasien heimisch, doch nun sind die Wildrinder auch auf der Alb heimisch. Der Zaininger Karl-Heinz Mutschler züchtet die Tiere, deren Fleisch er in ganz Deutschland verkauft.

Eine Zwergzebu-Kuh mit ihrem Kalb. Foto: Archiv swp

Den Zebus wird von Experten eine gewisse Bockigkeit nachgesagt, oder wie es Metzgermeister Karl-Heinz Mutschler formuliert: "Wenn die nicht wollen, geht gar nichts." Trotz dieses Charakterzuges schwärmt Mutschler für seine 35 Wildrinder, die im Augenblick auf einer Weide bei Zwiefalten stehen.

Dort grasen die Tiere im Auftrag des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Weil Zwergzebus relativ klein und leicht sind, können sie sich auch in ökologisch sensiblem Terrain bewegen, ohne Schaden zu hinterlassen. Außerdem hegen sie, im Gegensatz zu landschaftspflegenden Ziegen, keinerlei kulinarisches Interesse an Bäumen. Wiewohl sie Wäldern durchaus zugetan sind, schließlich fressen sie das Dickicht, das unter dem Blätterdach gedeiht, auch längst gefallenes Laub steht auf dem Speisezettel. Kraftfutter indessen vertragen sie nicht, wie Mutschler erzählt. Darin befindet sich zu viel Eiweiß, was für die an karge Kost gewöhnten Rinder ungenießbar bleibt. Ohnehin, sagt Mutschler, sei es am Besten, die Herde auf der Weide weitgehend sich selbst zu überlassen: "Das funktioniert alles ganz selbstverständlich." Die Tiere kalben unproblematisch, und falls sich ein Fremder ins Revier der Zebus verirrt, dann weiß sich die Herde zu verteidigen: "Die Tiere stellen sich im Kreis auf, die Starken vorne, die Schwachen in der Mitte."

Haben die Zebus erst einmal diese Kampfformation eingenommen, stünde es dem Eindringling gut zu Gesicht, wenn er Fersengeld gäbe. Spaziergängern gegenüber zeigen sich die Rinder hingegen von ihrer verschmusten Seite: "Die kommen an den Zaun und lassen sich streicheln."

Das freie Leben auf der Weide zählt freilich nicht zum alleinigen Daseinszweck der Zebus. Mutschler züchtet die Tiere wegen ihres Fleisches, das einen hervorragenden Ruf genießt. "Es hat kaum Cholesterin und ist fettarm", sagt der Metzgermeister. Der Geschmack erinnert Kenner an jenen, den er von Dammwild kennt. Alles Eigenschaften, die Zebufleisch zur begehrten Ware erheben. Von Zainingen aus, wo die Rinder geschlachtet und zerlegt werden, gehen Kühltransporte an viele Orte in der ganzen Republik. Zu den Stammkunden zählt etwa das Berliner Kaufhaus des Westens. Den Gaumenkitzel, den ein Zeburostbraten bereiten kann, wissen auch die Kunden von Feinkost Käfer in München zu schätzen, ebenso wie die Hamburger oder Käufer in Essen.

Ihr Interesse an Fleisch aus Zainingen bekunden zudem diverse Gastronomen, wiewohl Karl-Heinz Mutschler die begehrte Ware nicht in unbegrenzter Menge liefern kann. Er würde seine Herde zwar gerne vergrößern, allein es fehlt derzeit an den nötigen Flächen. Zudem betreibt Mutschler mit seinen Tieren extensive Landwirtschaft, das heißt, pro Hektar kann er nur eine begrenzte Menge Zwergzebus halten. Gleichzeitig sind die Wildrinder keine Riesen, entsprechend fällt die Menge des Fleisches aus, die ein Tier liefert.

Das Leben auf der rauen Alb vertragen die Zebus im Übrigen bestens. Sie haben zwar die Gelegenheit, sich in einen Stall zurückzuziehen, ihre Liebe gilt jedoch der Freiheit unterm Himmelszelt. Ein Anblick, der vielen Spaziergängern gefällt, die sich nicht selten wegen der Zebus für eine bestimmte Route entscheiden. Auf diese Weise werden die eigentlich aus Asien stammenden Wildrinder gleich doppelt zu Botschaftern des Biosphärengebiets: Als exotischer Blickfang und als schmackhafte Mahlzeit.

Produkte im Shop