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26.08.10 20:31
350 km in fünf Tagen

Die ursprüngliche Art des Reitens

Von: Joachim Lenk, swp

Marbach/Breithülen. Die ersten 150 Kilometer sind geschafft. Weitere 200 Kilometer stehen den 37 Reitern des Fünf-Tage-Distanzritts noch bis Samstag bevor. Heute um 8 Uhr gehts vom Gestüt Marbach weiter Richtung Ingerkingen.

350 Kilometer in fünf Tagen: Derzeit findet auf der Schwäbischen Alb ein Distanzritt statt. Foto: Joachim Lenk

"Schwäbische Alb - Weites Land" heißt der Fünf-Tage-Distanzritt, der zurzeit zum sechsten Mal stattfindet. Die Strecke führt rund 350 Kilometer durch das Lone-, Lauter- und Donautal quer über die Schwäbische Alb. "Es ist der längste Mehrtagesritt Deutschlands, der im Rahmen der Araber Weltweit Trophy veranstaltet wird", informiert Organisatorin Ina Baader, die dem Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer angehört.

Der Startschuss zur ersten Etappe des längsten Distanzritts Deutschlands fällt am Dienstag pünktlich um 8 Uhr. Von Rammingen, östlich von Langenau im Alb-Donau-Kreis, aus geht es über Beimerstetten, Nellingen und Berghülen ins 82 Kilometer entfernte Breithülen ins ehemalige Remontedepot. Alle 37 Reiter zwischen 20 bis 60 Jahren kommen am später Nachmittag wohlbehalten im Ziel an.

Iris Weinig aus Simmeren im Hunsrück, Jürgen Banzhaf aus Bad Überkingen und die ehemalige Schweizer Distanzmeisterin Therese Braun reiten zeitgleich ins Ziel ein. Das Trio braucht, die drei vorgeschriebenen Stopps abgezogen, insgesamt fünf Stunden und 23 Minuten. Viereinhalb Stunden später trifft die letzte Reiterin, die Holländerin Tonkie Collee in Breithülen ein. Sie hat es vorgezogen, "in aller Ruhe die schwäbische Landschaft zu genießen".

Das macht auch "Herr der Ringe"-Fan Peter Hertel aus Heppenheim, der mit Gandalf unterwegs ist. Der Fliegenschimmel ist 23 Jahre alt und hat 149 Distanzritte mit 9500 Kilometern in der Wertung hinter sich, erzählt der Eigentümer stolz. Wegen des biblischen Alters seines Anglo-Arabers geht es nur noch im Trab voran. Hertel freut sich, dass sein Pferd die längste Etappe der Tour ohne Probleme gemeistert hat.

Anders sieht es bei Volker Kriewald aus, der 2007 Dritter bei der Bayerischen Meisterschaft im Distanzreiten wurde. Er muss die Tour bereits am ersten Tag beenden. Sein Wallach Witold hat sich das Bein vertreten.

Vorjahressieger Toni Baumann aus Kaub am Rhein genießt die abwechslungsreiche Strecke auf der Alb und ist mit seinem zwölfjährigen Wallach Bengaldesh immer wieder gerne mit dabei. Der Hobbyreiter spürt bei der Ankunft ganz besonders seine Beine und Knie. "Ich stand die meiste Zeit in den Bügeln", sagt er leicht erschöpft, für den "die ursprüngliche Art des Reitens" eine große Herausforderung ist. Mehr als die Hälfte der Strecke legt er mit seinem Pferd im Galopp zurück. 30 Prozent im Trab, fünf Prozent im Schritt.

Zum ersten Mal mit von der Partie ist der Italiener Stefano Chidichimo. Er bestreitet die Tour ohne eigenes Huftier. Er hat sich die Schimmelstute Baikoroda für fünf Tage geleast. Die beiden scheinen sich gut zu verstehen und belegen nach der ersten Etappe auf Anhieb Platz vier. Chidichimo liebt die endlosen Stoppelfelder, die wildromantischen Täler, die malerischen Dörfer und die Lagerfeuerromantik.

Am Abend, nachdem die Pferde, die Reiter und die Begleitpersonen versorgt sind, findet die erste Siegerehrung statt. "Um dem internationalen Standard gerecht zu werden, tragen wir die Tradition der Tour de France auf die Alb", erklärt Ina Baader und überreicht den Tagessiegern das Gelbe Trikot der Gesamtführenden. Nach jeder Etappe gibt es, wie bei der Radsportlern, einen Tagessieger. Er erhält das grüne Trikot übergestreift. Der Reiter, der die Gesamtführung hat, darf das gelbe Trikot überziehen. Die Wertung erfolgt nach gerittenen Kilometern und Zeit. Das Patronat für diesen Ritt hat die ägyptische Prinzessin Sheikha Lulua Al Sabah übernommen. Die Siegesfeier ist kaum vorbei, ziehen sich die meisten Reiter und ihre Begleiter, die aus ganz Europa kommen, in die Zelte, Wohnwagen und die Ställe auf dem Gelände des ehemaligen Remontedepots zurück. Sie wollen fit für den nächsten Tag zu sein.

Von Breithülen aus geht es am Mittwoch über Feldstetten, Seißen, Ingstetten, Hütten, Mehrstetten, Apfelstetten, Fauserhöhe und Grafeneck ins 68 Kilometer entfernte Haupt- und Landgestüt in Marbach weiter. Dort trifft das Siegertrio vom Vortag nach fünf Stunden und 19 Minuten wieder gemeinsam ein.

Drei Tierärzte sorgen sich während der fünf Tage um das Wohlergehen der Pferde. "Wichtig ist, dass die Tiere viel trinken. 30 bis 40 Liter am Tag", so Dr. Beate Scharfenberg. Vor dem Start, im Ziel und drei Mal auf der Strecke untersuchen sie und ihre beiden Kollegen die Tiere. Dabei achten die Veterinärmediziner auf den Satteldruck, schauen sich den Gang an, hören die Darmgeräusche ab und messen den Puls.

Heute um 8 Uhr starten die Reiter von Marbach aus in Richtung Ingerkingen, südlich von Ehingen. Am Freitag steht die vierte Etappe nach Inzigkofen bei Sigmaringen auf dem Programm. Am letzten Tag führt der Weg die Teilnehmer ins 68 Kilometer entfernte Albstadt. Dann haben Ross und Reiter insgesamt 350 Kilometer hinter sich gebracht. Die meisten von ihnen wollen im nächsten Jahr wieder kommen.

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