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12.10.11 08:57
Neuer Radweg entlang der Bahnlinie Gomadingen-Schelklingen

Die Alb, die Bahn, Perlen und Paris

Von: Ulrike Bührer-Zöfel

"Attraktionen gibt es entlang der Bahnlinie wie Perlen auf einer Schnur", sind sich die Bürgermeister von Gomadingen, Klemens Betz, Münsingen, Mike Münzig, und Schelklingen, Michael Knapp, einig. Die Bahn selbst hat auch ihre Anziehungskraft, bietet zudem bereits einen kostenlosen Fahrradtransport. Dass sich die Gäste ihre Touren bisher aus Flyern und Fahrplänen "zusammenstoppeln müssen", so Münsingens Tourismuschef Bernd-Matthias Weckler, wird bald der Vergangenheit angehören. Als ein Komplettangebot sollen Strecke und die Angebote der drei Gemeinden "in Wert gesetzt werden". Eine "durchgängige, gemeinsame Vermarktung" wird mit dem neuen Bahn-Radweg angestrebt. Der soll auch "noch schlummernde Potenziale wecken", so Weckler.

Planen den Bahn-Radweg entlang der Linie Gomadingen-Schelklingen (v. l.): Bernd-Matthias Weckler, Münsinger Tourismuschef, Tobias Brammer vom Biosphärengebiet, Ursel Maichle-Schmitt, Bürgermeister Mike Münzing (Münsingen), Bürgermeister Michael Knapp (Schelklingen), Bürgermeister Klemens Betz (Gomadingen), Heinz Kurz von der Alb-Bahn. (Foto: Zöfel)

Münsingen und Gomadingen haben sich zusammengetan, beim Biosphärengebiet einen Antrag auf Zuschuss fürs Vorhaben gestellt, zunächst einmal für die Konzeption. Der wurde auch bewilligt. Das Büro Maichle-Schmitt übernimmt sie, veranschlagt dafür rund 4.500 Euro. Die Hälfte davon gibts als Zuschuss für das "interkommunale Projekt", so Tobias Brammer vom Biosphärengebiet.

Der 33 Kilometer lange Bahn-Radweg, den natürlich auch Wanderer nützen können, soll eine einheitliche Beschilderung bekommen, ein Flyer wird auf einen Blick die Zugzeiten und die Attraktionen erschließen. Drei Schwerpunkte haben die Planer für die Konzeption festgelegt.

Zum ersten seine bahngeschichtlichen Sehenswürdigkeiten wie die Ortsdurchfahrt Sondernach. Zum zweiten eine kulturgeschichtliche Komponente wie Grafeneck, und zum dritten die Alb-Natur. Vom Apollofalter bis zum Gelben Enzian lässt sich da Vieles entdecken. Das haben Weckler und Ursel Maichle-Schmitt bei einer ersten Radtour nach Schelklingen im wahrsten Sinne des Wortes erfahren. Weil so viel zu sehen, zu reden und zu fotografieren war, mussten sie sich sputen, um noch den Zug hinauf nach Münsingen zu erwischen. Noch mal aufs Rad schwingen wollen sie sich, wenn das Wetter besser ist. Dann gehts von Münsingen nach Gomadingen.

Jedenfalls, so Münzing, muss die Strecke "spannend und pfiffig sein, kein Lehrpfad, sondern ein dauerhaft erlebbarer Weg." Deshalb sind auch Tipps und Anregungen von Bürgern aus allen Gemeinden gefragt. Und zwar schon jetzt.

Mit im Boot ist auch die Stadt Schelklingen. Finanziell allerdings (noch) nicht. Knapp führt die miese Haushaltslage ins Feld, und die Unstimmigkeiten zwischen Bürgermeister und Gemeinderat, wenn es ums Biosphärengebiet geht. Er will sich aber bemühen, zum Projekt, was beizutragen. In Sachen Attraktionen ist das natürlich auch keine Frage. Über Talsteußlingen lässt sich der Radweg an den Besinnungsweg, auch ein Biosphärenprojekt, anbinden. Und dann ist da zum Beispiel noch der Gute Hirte in Hütten, "der war immerhin schon mal auf der Weltausstellung in Paris". Und da kann auch Gomadingen mithalten: Ein Bild von Felix Hollenberg wurde dort auch schon ausgestellt.

Soweit klingt alles viel versprechend. Nun hat die Sache allerdings noch einen Schönheitsfehler: Der Radweg entlang der Bahnlinie ist keineswegs komplett. Das Stück vom Marbacher Dreieck nach Münsingen fehlt. Und wird in diesem Zusammenhang auch wieder Thema. Selbstverständlich, so Betz, "kommt man mit dem Fahrrad von Gomadingen nach Münsingen - übers Fluggelände oder über Grafeneck". Allerdings gibt es auf beiden Strecken kräftige Anstiege, was ebenso wenig familienfreundlich ist, wie auf der L 230 zu radeln: "Das ist eine gefährliche Strecke." Für Betz und Münzing ist es deshalb keine Frage, das "fehlende Stück muss schnell her". Eine fertige Planung durchs Baumtal gibt es bereits, die Stadt Münsingen hat sie in Auftrag gegeben. Was fehlt ist das Geld, und das muss vom Land kommen. Immerhin steht das Stück Radweg schon mal ganz oben auf der Prioritätenliste des Landkreises.

Noch vor Weihnachten soll die Konzeption fertig sein. Dann müssen die Gemeinden entscheiden, welche Maßnahmen - eventuell Ergänzungen oder Veränderungen am Radwegenetz - auf ihrer Gemarkung notwendig sind, welche sie umsetzen wollen.

Außerdem ist da noch eine Gemeinde, die die Planer gerne einbeziehen würden: Mehrstetten, das allerdings nicht zum Biosphärengebiet gehört, aber zum Beispiel mit dem Schandental, durch das die Bahn fährt, ausgeprägt schöne Wacholderheiden hat.

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