Der Regent kommt auf den Berg
Pfullingen. Die Sonne brennt vom Himmel, doch ein leichtes Lüftlein macht die Arbeit erträglich - und so können die Mannen von der Bergwacht tun, was sie tun müssen: Das Erdreich durchhacken und Reben pflanzen.

- Voller Einsatz am Georgenberg: Hoch über Pfullingen bereiten die Bergwacht-Ehrenamtlichen den Boden für die Reben der Sorte Regent. Foto: Evelyn Rupprecht
Zugegeben: Der Weinbau gehört nicht zu den ureigensten Aufgaben der Bergwacht. In Pfullingen machen die Ehrenamtlichen derzeit allerdings eine Ausnahme. Es sind keine Menschenleben, die sie hier retten sollen, immerhin aber geht es um eine ganze Stadt, deren guten Ruf es zu bewahren gilt. Denn die Pfullinger wollen - nach Jahrzehnten der Brache - wieder einen Wengert auf dem Georgenberg anlegen. Und natürlich soll das Tröpflein, das hier wachsen wird, ein edles sein. Eines, das mithalten kann mit den besseren Württembergern, vielleicht sogar heranreicht an so manches Erzeugnis der Metzinger Genossenschaftler.
Was die Stadt mit ihrem Bauhof und dem Forstamt, der Schwäbische Albverein und die Bergwacht vor zwei Jahren in Angriff genommen haben - damals wurden per Hubschrauber 26 Tonnen Steine, eine Schutzhütte und ein Bagger auf den Georgenberg in 602 Meter Höhe geflogen -, soll nun nach vielen durcharbeiteten Samstagen und Sonntagen zu einem guten Ende kommen: Am 14. April, 17 Uhr, lädt die Stadt Pfullingen auf den Georgenberg ein, um die letzte Reihe Reben hochoffiziell in eine der Terrassen zwischen den Trockenmauern zu pflanzen. Eine Aktion, für die in der vergangenen und in dieser Woche ein Höchstmaß an Vorbereitung nötig war und ist.
An drei Tagen der vergangenen Woche haben die Bergwachtler - zwölf von ihnen gehören zum festen Stamm im Wengert - ausgepflockt, das Gras beseitigt und die Abstände für die spätere Pflanzung vermessen. Am Donnerstag sollen die 200 Reben der Sorte Regent dann in den Boden kommen. Einen ganzen Arbeitstag und vor allem gutes Wetter werden die Ehrenamtlichen dafür brauchen. Und es ist nicht möglich, den Termin zu verschieben. "Die Reben werden am 12. April geliefert", wissen die Bergwachtler Gerhard Keppler und Robert Mader, die sich nicht nur trockenes und warmes Wetter für den Donnerstag wünschen, sondern auch Regen für den Freitag. "Damit die Pflanzen gut anwachsen".
Auf den Pflanztermin am Donnerstag freut sich derweil auch Forstamtmann Bernd Mair, der die Aktion über die gesamtem zwei Jahre begleitet hat. Froh ist er aber auch, dass das Material, das im Sommer 2009 auf den Berg geflogen wurde, ausgereicht hat. "Ja, wir konnten sogar anstelle der geplanten drei Trockenmauern vier anlegen, weil wir alte Mauerreste mit verbauen konnten", weiß Mair.
Allerdings verlief der Bau der Trockenmauern am Georgenberg nicht immer nur reibungslos. Im August des vergangenen Jahres hatten Randalierer Steine aus dem Mauerwerk gerissen und die Schutzhütte aufgebrochen. Der Schock bei den Forstleuten und den Ehrenamtlichen des Albvereins und der Bergwacht war groß. "Doch ein halber Tag Arbeit hat gereicht, um alles wieder in Ordnung zu bringen", ist Mair noch heute erleichtert.
Mit ersten Lese-Erfolgen rechnen die Bergwacht-Mannen - drei von ihnen haben bereits Erfahrung als Wengerter - 2014. Und Bürgermeister Rudolf Heß blickte bei der Vorstellung des Projekts "Rebflächen" vor zwei Jahren noch weiter voraus. "100 Liter Georgenberg-Spätlese könntens schon werden", prognostizierte er den Ertrag des gut drei Ar großen Wengerts. Eine Menge, die schon einmal ausschließt, dass der Pfullinger Wein dereinst im Supermarkt zu erwerben sein wird. Zumal der Bürgermeister im Jahr 2009 schon angekündigt hat: Die Spätlese wirds nur zu besonderen Anlässen geben. Und verwalten wird die Fässer - natürlich - die Stadt Pfullingen.













