Debatte: Gedankenspiele um die Zukunft der Kulturlandschaft

- Um die Zukunft der Kulturlandschaft ging es in Römerstein. Foto: Kirsten Oechsner
Ein Samstag wie geschaffen für schwäbische Schaffer: Holz machen, Garten richten oder rund ums Haus und auf der Wiese aktiv sein. Und doch hatten sich zehn Bürger in den Römersteinsaal aufgemacht, um über eine mögliche Entwicklung der Kulturlandschaft Schwäbische Alb zu diskutieren und Szenarien zu entwerfen: Landwirte, Vertreter des Naturschutzes und der Schäfer, Bürgermeister Michael Donth. Für diese Bereitschaft gabs auch ein großes Lob von Dr. Tobias Plieninger, der gemeinsam mit anderen Nachwuchsforschern der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Freiburg, des Ökoinstituts und des Ecologic Instituts in einer bis 2013 interdisziplinär angelegten Untersuchung Ökosystemleistungen erforscht. In ausgewählten Gemeinden in der Oberlausitz und auf der Schwäbischen Alb wird über mögliche Entwicklungen im Landschaftsbild in einem Zeitraum bis 2040 diskutiert - die Chance der Auseinandersetzung mit der Zukunft wurde in Böhringen jedenfalls rege wahrgenommen: "Es herrschte ein gutes Diskussionsklima auf hohem Niveau", sagte Tobias Plieninger nach sieben Stunden intensiver Arbeit. Kollege Christian Schleyer zeigte sich beeindruckt von der Kreativität der Workshop-Teilnehmer und der Vielfalt an Ideen, wenn "man die Scheuklappen mal weg lassen kann".
Das in Gruppen diskutierte Szenario Nummer eins: Landwirtschaft wird weiter gefördert, die Verbraucher kaufen bewusst hochwertig ein. Es entsteht dadurch eine "Museumslandwirtschaft", eine Extensivierung der Flächen und Konzentration auf den ursprünglichen Anbau. Obst und Gemüse wird es wieder saisonal und vor allem regional geben, die Verarbeitung geschieht vor Ort: "Die Wertschöpfung bleibt erhalten", erklärte der Sprecher der Gruppe. "Die Lebensqualität steigt, aber auch die Lebenshaltungskosten." Tourismus und Erholung werden eingebunden in die Landwirtschaft, das Motto laute: "Weniger ist mehr." Und: Nicht mehr die Landwirte werden subventioniert, sondern die Verbraucher zum Beispiel über einen Lebenshaltungszuschuss. "Im Augenblick wird gefördert, damit der Verbraucher billige Lebensmittel kaufen kann."
Kaum noch bebautes Land und Tierhaltung, einzelne verbliebene Landwirte, die derzeit noch attraktive Kulturlandschaft der Schwäbischen Alb wird zu einem Naturpark mit Schaubauernhöfen und vereinzelten Highlights im Landschaftsbild, die Menschen flüchten wegen mangelnder Infrastruktur und extrem hoher Energiepreise in die Städte - dieses "AlbGau"-Szenario diskutierte die zweite Gruppe. Die Ausgangsbasis: Für die Landwirtschaft gibts keine Subventionen mehr, der Verbraucher will aber weiterhin billig einkaufen. "Ich bekomme dann von Touristen einen Euro, weil ich mit aufs Bild gehe", befürchtet ein Landwirt und hat eine Hoffnung: "Dass dieses Schreckenszenario nicht auf uns zukommt." Der Gedanke, der Landwirt mutiere zum Albguide, Freizeitwart oder Höhlenführer mache ihm Angst.
Diese intensive Auseinandersetzung mit der Zukunft hat den Teilnehmern Spaß gemacht: "Ich war überrascht, auf welche Ideen man kommen kann und was für Gedankenspiele sich ergeben, resümierte ein Landwirt." Er beziehe den ein oder anderen Aspekt sicherlich in seine künftige Arbeit mit ein. Die Erkenntnis der Wissenschaftler: "Manche Situationen sind sicherlich nicht aus der Welt gegriffen", fasste Tobias Plieninger zusammen.












