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01.10.10 12:03
Streuobstwiesen auf den Höhen der Schwäbischen Alb

Damit des Schwaben Trost gedeiht

Von: Regine Lotterer, swp

(Grabenstetten) Rund um Grabenstetten gedeihen die Streuobstbäume seit Jahrhunderten, trotz des manchmal rauen Klimas auf der Höhe. Wer erfolgreich ernten will, muss allerdings die richtigen Sorten pflanzen

Äpfel der Sorte Rewena gedeihen im Schaugarten, der neben dem Rathaus zu sehen ist. Foto: Regine Lotterer

Ein kräftiger Schluck aus dem Mostkrug hat schon manchen Schwaben über die Mühen des Alltags hinweggetröstet. Jahrhunderte lang diente das Getränk aus vergorenem Apfelsaft dem einfachen Manne tagtäglich zur Labung. Aus diesem Grund wurden die Streuobstbäume von ihren Besitzern stets in hohen Ehren gehalten.

Äpfel auf den Höhen der Schwäbischen Alb anzubauen, ist freilich eine Kunst für sich, wie der Grabenstetter Georg Lamparter weiß. Der gelernte Baumwart erhält diesbezüglich immer wieder Anfragen, schließlich hat er über viele Jahre hinweg auf diesem Feld geforscht und Sortenkunde betrieben.

Wer im Herbst eine reiche und gute Ernte einbringen möchte, muss wissen, dass die Alb ein typisches Schorfklima besitzt, sagt Lamparter. Der Pilz gedeiht auf der Höhe so gut wegen der kühlen Witterung und der hohen Luftfeuchtigkeit. Deswegen, sagt Georg Lamparter, habe die Schorfbekämpfung an erster Stelle zu stehen. Erst dann komme die Schädlingsbekämpfung. Zu Leibe rücken können die Obstbauern dem Pilz etwa mit Kupferkalk, der sowohl von konventionell wie biologisch arbeitenden Besitzern eingesetzt wird.

Obstbauern, die den Schorf im Griff haben, können ohne Probleme auf altbewährte Sorten setzen. Dazu zählen Jakob Fischer, Goldpermäne oder Jakob Lebel, der auch als Bäckerapfel bekannt ist. Ebenfalls empfehlenswert ist der Danziger Kant, der Rosenapfel, oder die Sorte Transparent, die Kinder gerne essen.

Obstbauern, die gänzlich ungespritzte Äpfel favorisieren, empfiehlt Lamparter die so genannten Re-Sorten, die ursprünglich in Dresden-Pillnitz gezüchtet worden sind. Wie sie aussehen, ist direkt neben dem Grabenstetter Rathaus in Erfahrung zu bringen. Dort liegt ein kleiner Schaugarten, der von Georg Lamparter betreut wird. Dort findet sich auch ein 1990 gepflanzter Apfelbaum der Sorte Rewena, dessen Früchte sowohl als Tafel- als auch als Mostapfel taugen. "Diese Bäume sind sehr tragfähig", weiß Lamparter. Zur Familie der Re-Sorten zählen auch Remo und Retina sowie die wertvollen Tafelsorten Topaz, Rubinola und Alkmene.

Wer das Glück hat, an eine Lokalsorte zu gelangen, kann ebenfalls zugreifen. Schließlich haben sich diese im Laufe der Jahrhunderte an das Albklima angepasst und kommen mit so mancher Widrigkeiten ihres Standortes zurecht. Etliche Sorten haben noch nicht einmal einen Namen, wie Georg Lamparter weiß. Er selbst besitzt solche Bäume auf seinen Wiesen, die ihm dessen ungeachtet bislang stets eine gute Ernte bescherten. Meist handelt es sich dabei um Mostapfelsorten. Mancher kennt diesbezüglich vielleicht den Uracher Bergapfel, der auch im neu angelegten Schaugarten der Kurstadt am Galgenberg kultiviert wird.

Wer auf der Alb ein neues Apfelbäumchen pflanzen möchte, sollte freilich nicht unbedingt zu spätreifenden Sorten greifen. Hier besteht die Gefahr, dass sie ihr Aroma nicht voll entfalten können, weil das rauere Klima ein gänzliches Ausreifen der Frucht verhindert. Doch egal, für welchen Baum sich ein Grundstücksbesitzer entscheidet, wichtig ist neben dem Ertrag die Zufriedenheit, die die Arbeit bereitet, oder wie es Georg Lamparter formuliert: "Auf Obstbäumen kann man nicht nur Früchte ernten, sondern auch Freude."

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