Ausstellung im Heimatmuseum Donnstetten zeigt alte Waagen und Säcke
Wann: 19.11.2011 bis 20.11.2011Wo: Donnstetten
Eine seltsame Idee, alte Säcke auszustellen? Durchaus nicht, da waren sich die Mitglieder des Heimatvereins einig. Schließlich ist auf jedem einzelnen ausgestellten Stück im Heimatmuseum in Donnstetten ein Aufdruck drauf, der schon einiges erzählt - über den Besitzer etwa.

- Helmut Schill (links) und Erhard Widmaier zeigen zwei Exponate der Schau. (Foto: Norbert Leister)
Christian Hummel etwa ist auf einem Leinensack zu lesen. Weiterhin steht dort, dass er in Donnstetten lebte und der Sack 1920 bedruckt wurde. Wobei bedruckt ja nicht richtig ist: "Ein Maler hat die Schablonen genommen und dann Farbe aufgebracht", erläutert Helmut Schill vom Heimatverein.
Was für eine Farbe denn da genommen wurde, will eine Besucherin wissen. Schließlich sei ja selbst so nach Jahrzehnten immer noch zu erkennen, was dort auf dem Sack geschrieben steht. Welche Farbe die Maler damals nahmen, das kann Helmut Schill - der erneut zusammen mit Irmgard Bosler diese Ausstellung organisiert und zusammen gestellt hat - nicht sagen. Dafür aber viele andere Sachen, wie etwa, was der Zusatz "Chr.S" auf dem Sack von Christian Hummel bedeutet. "Weil es in Donnstetten einige Hummels mit dem Vornamen Christian gab, kam der Zusatz Christians Sohn hinzu", erklärt Schill.
Interessant sind auch die oftmals zusätzlich abgebildeten Symbole, wie etwa eine Kelle, die auf einen Maurer verwies, ein Weberschiffchen oder ein Pferd - letzteres bedeutete, dass der Besitzer ein Bauer und wohlhabend war. Das verrät auch die ungewöhnliche Schrift, die verwendet wurde. Einige Schablonen sind ebenfalls im Donnstetter Heimatmuseum zu sehen und eben viele, viele Säcke. Der älteste stammt aus dem Jahr 1844, zahlreiche sind geflickt worden: "Damals hat man nichts weggeworfen, sondern die Löcher, die vielleicht Mäuse rein gefressen hatten, wurden kunstvoll gestopft", sagt Erhard Widmaier, der Vorsitzende des Heimatvereins.
Geschichten erzählen aber nicht nur die Aufschriften oder die Flicken, sondern auch die Größe der Säcke: Dass die ganz großen Leinen-Behältnisse ausgerechnet von Müllern verwendet wurden, mag verwundern. "Das lag daran, dass bei uns Dinkel angebaut wurde, der war nicht so schwer", sagt Helmut Schill. Aber: Die steilen Stiegen und Treppen in den Mühlen mit den voll bepackten Säcken rauf und runter zu steigen - "da brauchte man sich nicht zu wundern, wenn die Müller im Alter alle krumme Rücken hatten".
Ausgestellt sind im Heimatmuseum aber auch einige Waagen oder Messbehälter, wie etwa Simre. Das ist ein Gefäß, das einstmals eine feste Maßeinheit für Getreide war. So wie heute Gramm und Kilogramm. Eine Vielzahl an unterschiedlichsten Waagen aus allen möglichen Lebensbereichen können am kommenden Wochenende noch einmal bestaunt werden. Zwei dieser Modelle sind Goldwaagen. "Die stammen vom Juwelier", sagt Helmut Schill. Ein Juwelier in Donnstetten? "Ja, früher konnte man hier im Gemischtwarenladen alles kaufen", erläutert Schill, "von Lebensmitteln über Stoff und Uhren bis hin zu Eheringen."













