Auch das Mühlrad soll bald wieder klappern
Buttenhausen. Gesucht und gefunden. 20 Jahre hats gedauert, aber jetzt ist Wulf Plätz da, wo er hin wollte: in der Lautertalsäge in Buttenhausen. Sein Werkmaterial ist Holz, kreative Ideen daraus sollen die Zukunft sichern.

- Wulf Plätz an seinem Arbeitsplatz in der Lautertalsäge in Buttenhausen. An Sägen - modernen und einer von 1911 - verschafft er das Holz zu Spielgeräten, Badebottichen, Leisten und Paneelen. Fotos: Ulrike Bührer-Zöfel
Vor sieben Jahren hat es den Rheinländer der Arbeit wegen auf die Alb gelockt. Und auch jetzt war es wieder die Arbeit, die sein Leben einschneidend verändert hat. Die Wirtschaftskrise hat den Betrieb, in dem er gearbeitet hat, eingeholt, die Aufträge gingen massiv zurück, für Plätz war klar: "Ich muss mir was anderes suchen."
Und das Neue war dann eigentlich etwas Altes, denn der gelernte Fachinformatiker und Forsttechniker wollte zu dem zurück, was am Anfang seiner Berufslaufbahn gestanden hat, immer Hobby geblieben ist - das Holz. Schon als Sechsjähriger hat er für die Mutter Kochlöffel und Buttermesser geschnitzt, war später als Wanderschreiner auf Tour, renovierte Holzhäuser, stand an der CNC-Säge.
Standorte für einen Holzbetrieb "habe ich zunehmend verzweifelt abgeklappert", bis schließlich der entscheidende Tipp kam, die Säge in Buttenhausen. Die entsprach genau dem, was Plätz für seine Zukunft gesucht hat: einen Betrieb bei dem alle Genehmigungen da sind, ebenso Gelände für Lager und Ausstellung. Und die Transportwege sind minimal, das spart Kosten und schont die Umwelt - das ist dem Vater dreier Kinder besonders wichtig.
Fünf Monate haben die Verhandlungen mit dem Besitzer gedauert, seit November ist Plätz nun Pächter der Säge am Wasser. Im Winter ists zunächst zäh angelaufen, jetzt gehen die Geschäfte besser, wenngleich noch nicht wirklich gut. "Gelegentlich müssen wir noch in der Tafel einkaufen, damit es reicht", sagt Plätz.
Doch dieser Tage ist er schon fast im Stress, denn bis Dienstag muss sein Spielplatz fertig sein. Holzspielgeräte sind nämlich ein Produkt, mit denen er auf dem Markt Fuß fassen will. Jetzt hat ihm die Gemeinde an der Lauter ein Grundstück bereitgestellt. Dort können die Kids seine Spielgeräte testen - Wasserrinnen, Matschbecken, ein Wasserlabyrinth - ins Holz gefräst, wie das Stück es eben hergegeben hat, ein Mühlrad, das sich dreht . . .
Gleichzeitig ist das Areal natürlich auch ein Schauplatz für potenzielle Kunden, um die Plätz mit dem Motto "Lebendige Spielgeräte für lebendige Kinder" wirbt. Eigene Entwürfe will er ebenso anbieten wie nach Vorlagen arbeiten. Keine Frage, wo Kinder spielen, ist Sicherheit oberstes Gebot, deshalb ist es für Plätz selbstverständlich, dass "jedes Gerät nach DIN-Norm gefertigt und von einem unabhängigen Gutachter geprüft wird, bevor es das Haus verlässt".
Für die Spielgeräte braucht es ein Holz, das witterungsbeständig und verrottungsfest ist, 15 bis 20 Jahre halten muss. Eiche geht und Robinie. Eichen gibts auf der Alb, Robinie kaum. Doch Plätz hat inzwischen eine Quelle aufgetan: Sie stehen an Reutlingens Straßen, und sobald eine gefällt werden muss, kommt der Mann von der Lautertalsäge und holt sie ab. Einfacher ists mit dem Holz für seine Badebottiche und die Gartenmöbel; die fertigt er aus Douglasie.
Mit der Lautertalsäge hat Plätz ein wahres Schmuckstück, und dazu noch ein intaktes, erwischt, denn dem Besitzer ist wichtig, dass die ehemalige Kistenfabrik erhalten wird, und deshalb investiert er auch ins Gebäude. "Ich bin sehr dankbar, dass ich die Lautertalsäge pachten durfte."
Für ihn als "Holzwurm", wie er sich selbst bezeichnet, ein wahres Paradies, in dem er auch nach sieben Monaten immer noch auf Entdeckungstour in die Vergangenheit gehen kann. Werkzeuge und Maschinen von Generationen von Handwerkern finden sich dort in absolut einsetzbarem Zustand. Handsägen in allen Größen, Bohrer, Wasserwaagen und natürlich die Gattersäge von 1911.
Wenn man schon so nah am Wasser wohnt, dann muss man es auch nutzen, sowieso dann, wenn man wie Plätz ein Auge auf Umwelt und Klima hat. Deshalb liefert die Turbine - "wir ölen sie nicht mit herkömmlichem Schmier-, sondern mit Pflanzenöl" - Strom. Und das nicht nur für das Sägewerk, "wir speisen 20 bis 30 Prozent ins Stromnetz ein".
Und weil zu einer Mühle nun mal ein Mühlrad gehört, soll das ab nächstem Jahr auch wieder an der Lauter klappern. Im Winter, wenn nicht so viel los ist, will Plätz es konstruieren.
- Links:
- www.lautertalsaege.de












