Alb: Kunstwerk aus einem Guss
Münsingen. Gutes Wetter und Feiertag haben sicher einiges zum Erfolg getan: 16 000 Besucher sind zur "schön& gut" und "SlowSchaf" ins Alte Lager gekommen. So wies aussieht wird es die Messe 2011 wieder geben.

- Gut besucht: In den drei Messetagen tummelten sich 16 000 Besucher in den Messehallen und auf dem Freigelände im Alten Lager. Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
Schon zur Eröffnung am Samstag tummelten sich mehr Leute als erwartet, nämlich um die 3000 in den Messehallen und im Freigelände. Am Sonntag und Montag gings dann auf den Straßen Münsingen zu, manchmal nur im Schritttempo: Insgesamt 16 000 Besucher hat die dritte "schön&gut" auf die Alb gelockt. Für Ausstellungsorganisator Stephan Allgöwer ein Erfolg, vor allem gemessen an den letzten beiden Jahren. 2008 kamen 12 000 Neugierige, auch um sich im Alten Lager umzusehen, 2009 lediglich 10 000, vermutlich auch dem Wintereinbruch geschuldet.
Vor allem über die Mittagszeit herrschte in den Hallen dichtes Gedränge. Die rund 100 Aussteller konnten sich also über Publikumsinteresse nicht beklagen: Essen und Trinken dominierte, und da bei Weitem nicht nur Regionales. Feines aus dem Süden Frankreichs war ebenso im Angebot wie Allerlei aus der Bourbon Vanilleschote, Speck aus Südtirol, "bushman chocolate". . . Weihnachten und Winter langsam näher rücken - Kerzen, Kugeln und Glitzersterne, kuschlige Decken, Kissen und Kräutertee machten schon fast Lust auf die kalte Jahreszeit. Auch das Handwerk hat auf der "schön&gut", die sich ja auch "Lifestylemesse" nennt, seinen festen Platz: Zum Beispiel die innovative Schreinerei, die ungewöhnliche Hotel-, Museums- und Villeneinrichtungen produziert, ebenso "Charaktermöbel" fürs heimische Wohnzimmer anfertigt.
Eine Ausstellung lebt davon, dass Bekanntes durch Neues ergänzt wird. Deshalb hat Stephan Allgöwer auch diesmal die "SlowSchaf" mit unters Messedach genommen. Die Tiere, von der Alb nicht wegzudenken, gewinnen heutzutage immer mehr an Bedeutung - als Wacholderheidenpfleger, als Fleisch- und Wolllieferant.
Vor allem die Wolle rückt wieder ins Blickfeld, bescherte der Messe eine Premiere: Catwalk in Münsingen, ein Hauch von Mailand und Paris in den Holzhallen, Premiere für die Albmerino-Kollektion. Models, kleine unbekümmerte, und große Profis führten vor, was man aus Schafwolle schaffen kann: flotte Röcke, schicke Schals, hübsche Pullis, feine Unterwäsche und, viel beklatscht, ein topmodisches Abendkleid; alles in fünf Naturmelange-Tönen, zwischen schwarz und weiß, eben was das Albmerino hergibt.
Fürs plenumgeförderte Projekt haben sich die Familien Stotz, Münsingen, und Krasier, Gächingen, zusammengetan. Die Schäferei Stotz liefert die Wolle, die Firma Flomax fertigt daraus tragbare Mode für die ganze Familie. Klingt einfach, und doch dauerte es zwei Jahre bis aus der Idee mit viel Einsatz, Misserfolge inbegriffen, nun der Kunde die ersten strapazierfähigen Wollprodukte aus der Biosphäre Schwäbische Alb tragen kann.
Ohne Vermarktung bleiben auch die besten Erzeugnisse in den Regalen liegen. Die Alb-Produzenten rüsten deshalb in Sachen Werbung gerade ziemlich auf, schließen sich zu Gruppierungen zusammen, präsentieren immer neue Labels. Die jüngsten: "Biosphärengastgeber" und "echtAlb". Keine Frage, dass sie sich auch auf der Dreitage-Messe präsentiert haben. "echtAlb" in einer eigenen Halle unter anderem mit einem Tüten-Komplettangebot, die "Biosphärengastgeber" im Kochstudio und bei der Verköstigung der Messebesucher und der "alb-talk-Gäste". Kein "Alb-Geschwätz" will die Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg mit ihrer erst kürzlich aus der Taufe gehobenen Reihe transportieren. Kritisch und anregend wollen die Runden sein, bei der Fachleute verschiedener Richtungen die Alb unter die Lupe nehmen. Am Samstag wurde nun die Messehalle zum Fernsehstudio - die Talkerei wird vom SWR mitgeschnitten - das Thema: "Alblamm, Albbüffel, Alblinse - ist das schon alles? Wie viel Kulturlandschaft sind wir uns selbst wert?" Klar, dass es da auch um Vermarktung, Wertschöpfung und die richtige Strategien ging. Wo sie den Weg der Zukunft sehen, darüber unterhielten sich Claus Peter Hutter, Leiter der Umweltakademie, Regierungspräsident Hermann Strampfer und Prof. em. Dr. Ulrich Hampicke, Landschaftssökologe, Uni Greifswald. Fazit und Wünsche der Teilnehmer: "Einen einheitlichen touristischen Auftritt" der "Alb als Gesamtkunstwerk"(Strampfer) und " dass alles so bleibt und noch besser wird" (Hampicke). Bevor dann Linsen mit Spätzle, Maultaschen, Butterbrezen aufgefahren wurden, durfte das Publikum noch Alb-Ideen einbringen.












