Biosphärengebiet Schwäbische Alb
Das Militär ging. Zunächst verließen die in der Herzog-Albrecht-Kaserne stationierten Soldaten Münsingen, dann wurde 2005 auch der Truppenübungsplatz auf der Alb aufgelöst. Was mit dem 6.700 ha umfassenden Areal geschehen sollte, wurde heftig diskutiert. Außer Frage stand, dass das Gebiet schützenswert ist, da es von intensiver wirtschaftlicher Nutzung, von Siedlungen, Straßen und Flurbereinigung größtenteils verschont wurde. Im Münsinger Hardt und in angrenzenden Flächen hat sich eine Kulturlandschaft aus vergangener Zeit erhalten. Die Beweidung mit Schafen schuf eine parkartige Landschaft, die für die Schwäbische Alb im 19. Jahrhundert üblich war. Für den Schutz des Gebietes stehen außerdem die urtümlichen Hang- und Schluchtwälder in den Tälern und am Albtrauf. Auch haben seltene Tier- und Pflanzenarten im ehemaligen Truppenübungsplatz ihren Lebensraum.
Der Weg zum Biosphärengebiet
Bereits in den 1990er Jahren gab es, insbesondere von Naturschutzorganisationen, Überlegungen zu einem Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Eine Realisierung ermöglichten jedoch erst der Abzug des Militärs und das politische Interesse an einem großen Schutzgebiet in Baden-Württemberg. Schnell gingen die Planungen über das Gelände des Truppenübungsplatzes hinaus, auch die umliegende Region sollte eingebunden werden. Die unmittelbar an den Übungsplatz grenzenden Gemeinden waren die ersten, die einem Biosphärengebiet beitreten wollten. Das neue Landesnaturschutzgesetz schuf 2006 die rechtlichen Grundlagen zur Bildung des Schutzraumes mit der Bezeichnung „Biosphärengebiet Schwäbische Alb“. Kommunen der Landkreise Reutlingen, Esslingen und des Alb-Donau-Kreises sind beteiligt. Inzwischen umfasst die „Alb-Biosphäre“ ca. 85.300 ha und reicht vom Albtrauf über die Albhochfläche bis zur Donau. Die Anerkennung bei der UNESCO wird angestrebt und soll spätestens 2009 erfolgen.
Kernzone – Pflegezone - Entwicklungszone
An Biosphärenreservate werden verschiedene Bedingungen gestellt. Zentraler Bestandteil ist dabei die Unterteilung in Zonen. Gebiete, die als Kernzone ausgewiesen werden, bleiben der Natur überlassen. In dieser Zone ist keine wirtschaftliche Nutzung erlaubt. Auf ausgewiesenen Wegen dürfen diese aber betreten werden. 3 % der „Alb-Biosphäre“ gehören dazu. Dies sind die Wälder am Albtrauf bzw. Schluchtwälder. Auch Waldgebiete der Kuppenalb sind Kernzone.
In der Pflegezone ist wirtschaftliche Nutzung erlaubt, jedoch mit Hinblick auf schonenden Umgang mit der Natur. Ökosysteme, seltene Tier- und Pflanzenarten sollen für die Zukunft erhalten bleiben. Pflegezonen umgeben Kernzonen und dienen diesen quasi als zusätzlichen Schutz. 42 % des Biosphärengebiets sind als Pflegezone ausgewiesen. Pflegezone ist nicht nur der ehemalige Übungsplatz. Auch Gebiete im Lenninger Tal, um Neidlingen oder am Albtrauf haben diesen Status bekommen. Streuobstwiesen, Wacholderheiden und Wiesen gehören dazu.
Über die Hälfte des Biosphärengebiets ist Entwicklungszone. Dies sind Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsräume der Bevölkerung.
Die Besonderheiten
Die parkähnliche Kulturlandschaft des Münsinger Hardts ist nicht die einzige Besonderheit des Biosphärengebiets. Die ausgedehnten Laub- und Mischwälder am Albtrauf sind großer Naturraum. Streuobstwiesen prägen die Landschaft im Albvorland. Ein faszinierender Anblick ist die Obstbaumblüte im Frühjahr. So zieht zum Beispiel die Kirschblüte um Neidlingen Wandergruppen aus ganz Deutschland an. Wälder wechseln sich auf der Mittleren Alb mit Wiesen, Weiden und Feldern ab. Auch das charakteristische Bild für die Alb – die Wachholderheiden mit ihren Magerwiesen – ist zu finden. Beweidung und Pflege sind für den Erhalt dieser Kulturlandschaft unerlässlich.
Für seltene Tier- und Pflanzenarten ist das Biosphärengebiet Lebensraum. Raubvögel, wie Rotmilan, Wanderfalke und Wespenbussard, lassen sich hier beobachten. Auch Heidelerche und Steinschmätzer fühlen sich auf der Alb zuhause. Die Streuobstwiesen sind die Heimat des selten gewordenen Wiedehopfs. Seltene Schmetterlingsarten bevölkern in der warmen Jahreszeit die Magerwiesen. Viele rar gewordene Orchideen sind außerdem hier heimisch.
Das ehemalige Dorf Grourn, von dem noch Kirche und Schulhaus stehen, welches für den Truppenübungsplatz aufgegeben werden musste, ist inzwischen eine touristische Attraktion. Einen weiten Blick in die Ferne, an klaren Tagen bis zu den Alpen, ist von den vier ehemaligen Beobachtungstürmen möglich. Der einstige Truppenübungsplatz kann auf ausgewiesenen Wegen betreten oder mit dem Rad befahren werden. Darüber hinaus werden geführte Touren angeboten.
Außerdem ist das Biosphärengebiet auf und vor der Alb ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Region Stuttgart. Gerade mal 50 km ist es davon entfernt.
Städte und Gemeinden
Das Biosphärengebiet ist mehr als der ehemalige Truppenübungsplatz und dessen unmittelbare Umgebung. Schauen Sie auf der Karte, welche Städte, Gemeinden und Teilorte dazu gehören.











